Die Schuhe an der Leine- Flensburgs Nordstadt -


Es soll Orte geben, da hängt der Himmel voller Geigen. In Flensburg – da hängen dort oben Schuhe. An einer Leine gespannt über der Norderstraße. Aber warum eigentlich?

Es gibt nicht viele Trends, die in Flensburg entstehen und erst Jahre später in Berlin ankommen. Shoefiti aber ist so einer. So nämlich nennt sich die Kunst, die seit 2007 jene Stadt erobert, die sonst vor allem für ihre Punkte und Bügelverschlüsse an Bierflaschen bekannt ist.

Hoch oben über der sonst eher trist anmutenden Norderstraße hängen sie – Sneaker, Gummistiefel, Sandaletten. Schuhe aller Art, die vor allem eines verbindet: die alte Oberleitung der ehemaligen Flensburger Straßenbahn, an der sie baumeln.

Woher sie kommen, weiß niemand so genau, nur, dass es in den letzten Jahren immer mehr wurden, bis der Weihnachtsschmuck schließlich weichen musste und dem Nordertor – einst heimliches Wahrzeichen von Flensburg und in derselben Straße gelegen – in Stadtführungen nur noch eine Statistenrolle zukam.

Legenden: Genervte Ehemänner, Skater, Nachtschwärmer …

Kein Wunder, dass es heute mindestens so viele Legenden wie Schuhe an der Leine gibt.

Die von dem genervten Ehemann beispielsweise, der einst die stinkenden Schuhe seiner Gemahlin über die Drahtseile warf. Oder jene von den Diskothekenbesuchern des ehemaligen Clubs Roxy, die sich nächtens einen Scherz erlaubten und angetrunken ihre Schuhe in die Luft warfen, bis diese sich schließlich in den Leinen verfingen. Und dann ist da noch die Geschichte von dem Besitzer des angrenzenden Skateshops, der seine Kunden aufrief, ihre alten Schuhe über die Leine zu werfen, nachdem sie bei ihm neue erstanden hatten.

Dem US-amerikanischen Travel+Leisure ist völlig schnuppe, woher die Schuhe nun tatsächlich kommen. „Ungeachtet des ursprünglichen Zwecks ist die Norderstraße zu einem inoffiziellen Wahrzeichen Flensburgs geworden und inspiriert Touristen dazu, ihren eigenen Beitrag zu leisten, indem sie ebenfalls ihre Schuhe zurücklassen“, heißt es in der Begründung, mit der das Magazin die Norderstraße neben solchen in Sydney, Taipeh und Buenos Aires zu einer der 18 verrücktesten Straßen der Welt kürte.

Ihr glaubt, die Geschichte sei hiermit zu Ende? Von wegen.

Und wie steht’s um die Sicherheit der Passanten?

Nachdem die ausgelatschten Treter schon eine Weile am Flensburger Himmel baumelten, fragte sich ein allzu sicherheitsliebender Geschäftsmann in einer Bürgerversammlung, wer denn eigentlich die Haftpflicht für die alten Galoschen übernehme. Die Stadt wies alle Verantwortung von sich und sah die jeweiligen Hauseigentümer in der Pflicht und das Technische Betriebszentrum (TBZ), das üblicherweise für die Müllentsorgung innerhalb Flensburgs verantwortlich ist, beeilte sich der Lokalzeitung mitzuteilen, dass es mit den alten Schuhen rein gar nichts am Hut habe.

Bevor es nun aber zu einem großen Streit kommen konnte, fand sich ein Versicherungsmakler aus eben jener Norderstraße, der das Risiko der hängenden Latschen seither versichert.

Ende gut, alles gut!

Und jetzt seid ihr dran: Habt ihr eine Idee, wie die Schuhe dahingekommen sind? Schreibt mir eure Legenden gerne in die Kommentare!