Leben mit Grenzen- Zum Glück nur vorübergehend -


Als wir wieder sesshaft werden wollten, war die erste Frage: wohin? Deutschland war naheliegend, aber nicht selbstverständlich. Wer überall arbeiten kann und möchte, der hat schließlich die frei Wahl. Und weil Reisefreiheit und offene Grenzen für uns ganz normal waren, fühlte es sich fast „egal“ an, worauf die Wahl fiel.

Also überlegten wir uns, an welchem Ort wir all das finden würden, was wir uns für unser tägliches Leben wünschten. Und die Wahl fiel auf Flensburg. Links die stürmische Nordsee, rechts die ruhige Ostsee und oben so viel unberührte Natur und einsame Strände, dass wir jedes Wochenende einen neuen entdecken könnten. Es war aber nicht nur das viele Wasser, das uns überzeugte. Auch das internationale und so schön ruhige und gelassene skandinavische Flair der Stadt gab den Ausschlag. Flensburg ist weltoffen, hier sprechen viele ganz selbstverständlich drei Sprachen (Neben Hoch- und Plattdeutsch natürlich Dänisch) und die einzige richtige Grenze ist der Wildscheinzaun. War der Wildschweinzaun.

Denn seit einigen Wochen ist alles anders. Wenn ich jetzt in die Innenstadt gehe, dann spricht dort kaum noch einer Dänisch. Meinen Lieblingsstrand in Dänemark, den man nur über einen kleinen Feldweg erreicht und der selbst im Hochsommer menschenleer ist, den besuche ich nun nicht mehr. Die vielen Segler, die ihre Boote in Glücksburg haben, der nördlichsten Stadt Deutschlands übrigens, können nicht mehr gen Norden ziehen. Und wer Golf in Dänemark spielt, was aus vielerlei Gründen hier sehr beliebt ist, bleibt auch weiterhin zuhause, weil die Grenzen nur für Besucher geöffnet werden, die mindestens sechs Nächte bleiben.

Sechs Nächte? Wir Grenzbewohner kommen doch manchmal nur für eine Stunde. Oder auf einen Hot Dog bei Annies Kiosk.

Was für uns immer selbstverständlich war, das ist es plötzlich nicht mehr. Und das ist vielleicht auch gut so. So viel wurde in Deutschland in den vergangenen Jahren darüber debattiert, wer rein darf in Land. Da ist es an der Zeit, auch mal zu fühlen, wie es ist, nicht rauszudürfen.

Ich wünsche mir deshalb mehr denn je, dass meine Generation die Chance nutzt, die uns der Alltag mit offenen Grenzen (ganz bald wieder) bietet. Die Freiheit auszukosten, das Home Office überall aufzuschlagen und gleichzeitig das Nahe und Ferne in seiner ganzen Tiefe kennenzulernen. In den Zug zu steigen, um fast bis ans andere Ende Welt zu fahren. Und sich jeden Tag dafür einzusetzen, Grenzen niederzureißen anstatt neue aufzubauen.

Danke.

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