Minimalismus für Anfänger- Und warum ich diesen Lebensstil nicht nur auf Reisen liebe -


Zwei Rucksäcke, zwei riesige Kitetaschen und 20 Umzugskisten in einer kleinen Lagerbox – das war das Ergebnis unseres Ausmistens, bevor wir ins Ausland gegangen sind. Inzwischen ist Minimalismus für mich ein wichtiger Teil meines Lebensstils, der viel mit Achtsamkeit zu tun hat. Aber warum wird man überhaupt Minimalist?

Kauf ich mir noch einen Schrank oder sortiere ich einfach mal wieder aus? Für mich war die Antwort in den vergangenen Wochen ganz klar: Weg damit! Und so kam es, dass nach unserer Rückkehr der Inhalt aus insgesamt fünf Umzugskisten noch einmal neue Besitzer fand.

Viele Reisende stellen unterwegs fest, dass sie wirklich wenig zum Leben brauchen. Mir ging das auch so, als ich 2011 meine erste längere Rucksackreise nach Australien und Neuseeland unternahm. Wenn es funktionierte, drei Monate aus einem 45-Liter-Rucksack zu leben, wofür brauchte ich dann all diese Sachen, die sich in meinen Bücherregalen, Schränken und auf dem Dachboden stapelten? Dachte ich mir und kaufte mir zurück in der Heimat trotzdem erstmal noch ein weiteres Buch, das Simplify your life heißt. Dann begann ich auszumisten.

Wie weit das einmal führen würde, hätte ich damals nie geahnt.

Kritik am Minimalismus

Viele verstehen Minimalismus als eine Art Verzicht. Weil sie sehen, dass andere Menschen ohne etwas auskommen, an denen ihnen persönlich viel liegen würde. Das ist meiner Meinung nach der erste Schritt für eine richtige Auseinandersetzung: sich bewusst zu machen, was einem wichtig ist. Denn mir jedenfalls geht es gar nicht darum, bedeutungsvolle Dinge aus meinem Leben zu streichen. Sondern mich zu fragen: Was hat wirklich einen Wert für mich? Und diese Antwort kann natürlich bei jedem anders ausfallen. Für mich zum Beispiel hat schönes Geschenkband einen großen Wert, dann damit kann ich ein Präsent für einen lieben Menschen einpacken. Andere halten das für unsinnig. Trotzdem habe ich davon eben nur drei verschiedene und nicht zehn, von denen ich sieben nie benutzen würde.

Minimalismus macht frei.

Kennst du auch Leute, die nicht umziehen, weil es ihnen davor graut, dann ihren Keller ausräumen zu müssen? Auch ich gehörte mal dazu. Verharrte in einer Situation, die mich unglücklich machte, weil ich gar nicht wusste, wie ich mit diesen Bergen an Umzugskartons allein einen Umzug bewältigen sollte.

Minimalismus hat viel mit Loslassen zu tun. Und Loslassen macht frei.

Minimalismus macht reich.

Wenn du so viel Zeit wie ich damit verbringst, dein Hab und Gut loszuwerden, dann überlegst du es dir automatisch zweimal, bevor du dir neue Sachen anschaffst. Und das spart viel Geld.

Und das ist nur der finanzielle Aspekt. Den anderen spürst du zwar nicht im Portemonnaie, dafür aber in deinem Alltag.

Minimalismus macht glücklich.

Denn inzwischen zieht der Minimalismus immer weitere Kreise in meinem Leben. Ich minimiere die Nachrichten, die ich konsumiere, die E-Mails, denen ich Zugang zu meinem Postfach erlaube und auch die Menschen in meinem Leben wähle ich bewusst aus.

Dieses reduzierte Leben bedeutet für mich Freiheit, eine größere Wertschätzung für das, was mich umgibt und damit insgesamt mehr Lebensfreude.

Minimalismus bedeutet für mich auch: Werte neu erschaffen.

Ich finde übrigens: Man muss nicht immer alles weggeben. Mir ist beim Ausmisten auch das eine oder andere Teil in die Hand gefallen, dass ich später – auf welche Art auch immer – aufgewertet habe. Aus einem alten Beutel ist beispielsweise eine schöne Kulturtasche geworden, eine Tasche dient jetzt in neuer Form als Hülle für meinen E-Book-Reader. So haben alte ungebrauchte Dinge einen neuen Sinn bekommen.

Minimalismus hat mein Leben verändert.

Alles begann also mit einem überquellenden Bücherregal, das ich dringend aussortieren wollte. Heute muss ich insgesamt viel weniger aufräumen, denn ich habe ja kaum noch Dinge, die herumliegen könnten. Außerdem verschwende ich weniger Zeit mit Dingen, die ich aus Gewohnheit, aber nicht aus Überzeugung mache. Und kann mich Dingen widmen, die mir wirklich Spaß machen. Oder die mir wichtig sind. Wie mein nächstes Ziel: Das Plastik in meinem Leben minimieren! Und so geht der Weg immer weiter.

Nächste Woche erfahrt ihr hier übrigens ein paar praktische Tipps, wie ihr eure Sachen am besten und schnellsten loswerdet!

Wissenswertes

Julia und ich haben beide schon mal geschrieben, wie wir mit wenig (oder auch etwas mehr) Gepäck reisen, die Artikel findet ihr hier:

Tolle Bücher für den Einstieg in die Thematik sind:

Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe von Blogs, die sich dem Thema widmen. Meine persönlichen Favoriten sind: