Radfahren in Griechenland- Kos mit dem Fahrrad entdecken -


Heute wird in die Pedale getreten — ich nehme euch mit auf meine Rundfahrten über die griechische Insel Kos! Da es bislang keinen Inselplan für Radfahrer gibt, habe ich für euch meine drei Fahrradrouten festgehalten, damit ihr sie nachfahren, abkürzen oder erweitern könnt. Ab in den Sattel, den Helm aufgesetzt und los geht es über die drittgrößte Insel der Dodekanes. 

Kos soll einmal durch Siedler kolonisiert worden sein, die den Kult des Heilgottes Asklepios mit auf die griechische Insel brachten. In der hellenistischen Zeit war Kos nämlich Sitz einer der ersten Ärzteschulen, in denen die Lehrlinge der Mediziner ihr Wissen vertiefen konnten.

Der Hauptort der Insel, die nur zehn Kilometer breit, 42 Kilometer lang und angenehm flach ist, ist Kos Stadt, das touristische und kulturelle Zentrum, in dem wir unsere Radtouren starten.

Ein Fahrrad kann man sich auf Kos bei einem der unzähligen Verleihe für ca. fünf bis zehn Euro am Tag holen, je nachdem, wie gut eure Verhandlungsfähigkeiten sind.

Kulturfahrt und Strand – Route 1

Auf Route 1 machen wir einen Rundgang durch Kos Stadt, bevor es in den Sattel geht. Über den Palmenboulevard kommen wir über eine Treppe auf den Platia Platanou, den Platanenplatz. Hier steht die Platane des Hippokrates, eine orientalische Platane, die nach dem antiken Arzt Hippokrates benannt ist, der auf Kos geboren wurde. Wer das nochmal ist? Ja, dieser Bärtige, der einmal sagte, dass die wirksamste Medizin die natürliche Heilkraft ist, die in jedem von uns liegt. Vielleicht hat er damals nicht gewusst, dass sein Wissen heute mehr denn je zutrifft.

Hippokrates soll seinen Schülern unter dem Baum die Heilkunde gelehrt haben. Von Innen ist die Platane vollkommen hohl, weil der Baum von Insekten- und Pilzen befallen war. Rund um den Platanenplatz liegen Ausgrabungsstätten und Ruinenfelder anderer antiker Bauten. In der Nähe steht ein Brunnenhaus aus osmanischer Zeit, das von sieben Säulen getragen wird.

Wir überqueren den Platz zur Nordseite hin. Eine Steinbrücke führt über einen ehemaligen Wassergraben auf die Halbinsel in der Nähe des Mandraki Hafens von Kos. Hier liegen die Überreste der Johanniterfestung Neratzia. Die Burganlage diente früher dazu, den Hafen zu verteidigen. Heute kann man sich auf dem Platz voller dorniger Sträucher zwischen Marmor- und Steinblöcken frei umsehen. Ein paar Säulenstümpfe, Altäre und alte Gräber kann man noch entdecken. Der Name Neratzia stammt übrigens vom Namen der Bitterorangenblüten ab, die einmal rund um die Burg wuchsen.

Nun radeln wir los: Aus Kos Stadt hinaus geht es vier Kilometer auf der Hauptstraße entlang, an üppig bewachsenen Hängen voller Zypressen und Pinien vorbei. Unser Ziel sind die Überreste des dem Gott der Gesundheit geweihten Asklepieion. Die bedeutendste Stätte von Kos liegt auf einem immergrünen Hügel. In mehreren Terrassen angelegt und durch eine riesige Freitreppe verbunden, war das Heiligtum eine Mischung aus Behandlungsstätte, medizinischem Lehrinstitut, Bade- und Tempelanlage und anatomischem und pathologischem Museum.Nach einer Erkundungstour fahren wir weiter über die Insel. Nach sieben Kilometern machen wir Halt in Zipari, einem kleinen Städtchen, um einen Imbiss in einer der Tavernen zu genießen und die schneeweiße Basilika zu bestaunen, die hier steht.Gestärkt fahren wir danach eineinhalb Stunden an der Küste entlang, sehen Mandelbäume, Oliven, Zitronenhänge und Traubenhaine. Wilde Feigen wachsen am Wegesrand — wer mag, kann sich unterwegs einen Snack gönnen.

Belohnt werden wir mit dem herrlichen Sandstrand in Mastichari. Vor dem Heimweg können wir hier ausgiebig am Strand dösen, uns im türkisblauen Wasser erfrischen und Kraft tanken für die zweistündige Radfahrt zurück in die Stadt, an der Hauptstraße entlang.

Seen und Dörfer – Route 2

Von Kos Stadt radeln wir rund eine Stunde zum Salzsee Alikés in der Nähe des Strandes Tigaki. Einmal umfahren wir den See und können (im Sommer) eine interessante Aussicht auf die ausgetrocknete Salzschicht, vereinzelte Flamingos und die Berge in der Ferne bewundern. Im Herbst und Winter ist der See gefüllt.

Hoffentlich habt ihr eure Kräfte gespart, denn nun geht es sieben Kilometer hinauf in das Bergdorf Zia in der Gemeinde Dikeos. Während eines typisch griechischen Mittagessens mit Tomaten, Schafskäse, Fladenbrot und Olivenöl, lohnt sich der sagenhafte Ausblick in 300 Metern Höhe über die ganze Insel. Bei klarem Wetter kann man bis auf das türkische Festland hinüber sehen. Wer gerne von hier aus wandern möchte, kann den Wanderweg zum Gipfel des Dikeos-Gebirges nehmen. In Zia leben die Menschen vom Tourismus: Hier gibt es traditionelle Handarbeit, allerlei Lebensmittel und künstlerische Kleinigkeiten.

Wer genug gesehen hat, kann durch die grüne Landschaft etwa eine Stunde zurück nach Kos Stadt radeln.

Natur und Sport pur – Route 3

Von Kos Stadt fahren wir nach Osten an der Küste entlang. Im Schatten der duftenden Eukalyptus-Bäume können wir die Olivenhaine und Felder bestaunen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. An der Abzweigung nach Psalidi fahren wir auf der Straße weiter, denn hier gibt es kaum Verkehr. Bis hinunter zum Kap Agios Fokas gibt es so viel herrliche Natur, dass man immer mal wieder anhalten und fotografieren sollte.

Für hartgesottene Radfahrer geht es jetzt rund vier Stunden über die Insel, zurück durch Kos Stadt, durch Zipari und Linopotis, auf der Hauptstraße entlang nach Antimachia, wo auch die große Steinwindmühle steht. Nach dieser schweißtreibenden Fahrt kann man sich etwas abseits der Hauptstraße in den wunderschönen Pfauenwald verirren. Rund um einen Teich leben hier zahlreiche bunte Pfauen, Libellen, Frösche und Schildkröten, die sicherlich genau wie wir den Schatten des Waldes genießen. Und ja, auch grillen kann man hier! Für den Rückweg empfehle ich stramme Waden — oder ein Taxi ;-)

Noch mehr Tipps

Der Süden der Insel ist mit einem normalen Fahrrad weniger gut zu besuchen, hier sollte man sich Mountainbikes ausleihen, um durch das Gebirge zu kommen.

Lasst mich wissen, welche Radtour ihr schon unternommen habt oder welche der Fahrten ihr noch ausprobieren wollt!

Wissenswertes

Kos war jahrelang ein beliebtes Reiseziel der Deutschen. Auch wenn sich die Situation auf der Insel in den vergangenen Jahren verändert hat, lohnt sich die Reise hierher noch immer: Die Menschen der Insel leben vom Tourismus, sind froh über Besucher und immer hilfsbereit. Kos ist ideal für Radliebhaber, denn mit ihren geraden Küstenstreifen und flachen Straßen ist sie besonders fahrradtauglich.