Natur pur – eine Auszeit- Korfu, die Oliven und das Wandern -


Natur, so weit das Auge reicht. Mandelbäume, Salbei und wilder Spargel. Anis, Olivenbäume, Kumquats. Ich schwitze in der griechischen Hitze auf Korfu und streiche mir die Haare aus der Stirn. Einen Fuß vor den anderen setzen, noch eine Anhöhe hinauf. Und wieder Blätter, Büsche, Sträucher. Langsam geht mir die Puste aus. Sind wir schon da?

Wandern in Griechenland: Korfu entdecken

Korfu ist die grünste Insel Griechenlands. Und wie lässt sich diese Schönheit besser erleben, als bei einer Wanderung auf den Naturpfaden? Meine Wanderleitung Stefanie ist voller Elan. Mit schweren Rucksäcken laufen wir, ihre zwanzigköpfige Gruppe, der deutschen Auswanderin hinterher, die seit 30 Jahren auf Korfu lebt. Die Insel ist ihre Heimat geworden. Ihr bisheriges Leben wollte sie hinter sich lassen, aber es gab auch andere Gründe für ihren Entschluss:

„Ich habe mich in die Insel verliebt. Die Menschen, die Luft, die Heiterkeit – aber vor allem in die unbeschreiblich freie Vegetation.“

Von Lákones nach Paleokastritsa

Die Wanderung beginnt an der Westküste von Korfu, im Bergdorf Lákones in der Gemeinde Paleokastritsa. Der Name der Gemeinde wurde von der alten Burgfeste inspiriert, die wir auch vom kleinen Dorf aus erblicken können: Angelokastro.

Mit malerischen Ausblicken führt uns Stefanie entlang der Küste. In der Bucht erkennt man einen Felsen, der merkwürdig aus dem Wasser ragt, und ich frage nach:

Was es denn damit auf sich hat? Ein Spiel der Natur? „Oh, das ist das Schiff des Odysseus“, schmunzelt Stefanie.

Wie, der Odysseus aus der Mythologie?

„Ganz richtig. Der antiken Sage nach ist dieser Felsen das Schiff des Odysseus, das der Meeresgott Poseidon in Stein verwandelt hat. Odysseus erlitt vor der Insel Schiffbruch und wurde in der Bucht von der Prinzessin Nausikaa gefunden. Ihr Vater sorgte dafür, dass Odysseus am Ende seiner Irrfahrt endlich nach Ithaka zurückkommen konnte.“

Aha. Mein Wandergefährte Günther ruft dazwischen: „Und die Vicky Leandros kommt auch von hier!“ Dann fängt er an zu singen und ich finde, dass ich bei „Du weißt, ich liebe das Leben“ nicht mitmachen muss, auch wenn ich es hier sehr schön finde.

Flora und Fauna im Einklang

Stefanie kennt sich mit der Flora und Fauna Korfus bestens aus. Am Wegesrand pflückt sie Blätter und Blüten, zu jedem Stück Natur kann sie uns eine Geschichte erzählen. Besonders der Salbei hat es ihr und uns angetan: Eine ideale Pflanze für den Arzneischrank und die Hausmittel-Küche.

Durch die natürlichen Gerbstoffe der Pflanze und die wohltuenden ätherischen Öle kann Salbei als Heilpflanze bei Entzündungen auf der Haut angewendet werden. Auch zum Kochen, als Zahnpflege, als Tee und als Zusatz in Eiscreme ist Salbei ein echter Alleskönner.

Natur pur – eine Auszeit

Die frische Luft zwischen all dem Grün tut gut. Ich atme tief ein und aus. Die Natur wirkt wie ein Aphrodisiakum, die leichte Brise zwischen den Blättern wie eine Liebkosung.

Wir gehen in Deutschland viel zu selten nach draußen, stellen meine Gruppe und ich fest. Warum das so ist?

„Keine Ahnung“, sagt Anna. „Vielleicht haben wir vor lauter Fernsehen und Internet vergessen, dass man seine Energie hier am besten auftanken kann. Ein bisschen auf der Wiese liegen, oder einfach mal auf einem Feld spazieren – das können wir schließlich auch zu Hause.“

Ich stimme ihr zu und beschließe, dass ich in Zukunft viel öfter nach draußen gehen muss, wenn ich neue Kräfte sammeln muss. Oder den Kopf frei kriegen. Oder einfach etwas Neues sehen will.

Wir machen einen Zwischenstopp bei Freunden von Stefanie, die eine Taverne in den Bergen betreiben. Wir sind die einzigen Gäste. Man reicht uns frisch geerntete Tomaten, warmes Brot, Gurken, Schafskäse aus der Tavernenküche nach Familienrezept und zuckrige Mandeln, mit Sesam überzogen.

Olivenernte auf Korfu

Weiter wandern wir durch einen versteckten Olivenhain mitten in der Wildnis. Ohne Stefanie würden wir den Weg niemals finden. Rund 4 Millionen Olivenbäume sollen auf Korfu stehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es stimmt: Die knorrigen Äste und Stämme, verzweigt und verdreht, erstrecken sich kilometerweit vor meinen Augen.

„Der Laokoon der Natur“, schwärmt Stefanie. Sie hat recht: Der Stamm der zum Teil fast 500 Jahre alten Bäume ist so in sich verdreht, er scheint für Verrenkungen der antiken Laokoon-Gruppe eine einzigartige Inspirationsquelle gewesen zu sein.

Die meisten Olivenbäume wurden während der Herrschaft der Venezianer über Korfu auf der Insel gepflanzt. Da die Bäume während dieser Zeit nie zurückgeschnitten oder abgeholzt wurden, wuchsen sie in die Höhe, verästelten sich. Heute können die Inselbewohner die Oliven deshalb nicht direkt von den Bäumen pflücken. Sie breiten schwarze Plastiknetze um die Pflanzen herum aus, damit die Oliven, wenn sie reif sind, hinunterfallen. In den Netzen können die Früchte aufgelesen und in Säcke verladen werden. Bei dieser Erntemethode geht einiges an Qualität der Oliven und somit auch der Olivenöle verloren.

„Aber unser korfiotisches Öl ist trotzdem sehr lecker“, sagt Stefanie.

Viel zu schnell endet die herrliche Naturwanderung an einem verlassenen Strandabschnitt im südlichen St. Georges. Das Wasser ist türkisblau und funkelt mir entgegen. Solche Farben kenne ich nur von karibischen Postkarten. Aber auch hier überrascht mich Korfu mit seiner herrlichen Natürlichkeit von seiner schönsten Seite. Einer Abkühlung steht nichts mehr im Wege. Anna, Günther, Stefanie und die anderen stürzen mir hinterher ins Wasser.