Und die Zeit steht still im Kolosseum- Von Gladiatoren, Macht und der Erinnerung -


Es ist das größte Amphitheater der Welt. Ein Koloss inmitten der ewigen Stadt. Für 450 Jahre ein Ort der Grausamkeit, der Brutalität, der Angst — ein hoher Preis, um die Menschen des antiken Roms zu unterhalten und zu belustigen. Auch wenn das Anfiteatro Flavio oder Colosseo, wie die Italiener das Kolosseum nennen, heute als Wahrzeichen der italienischen Hauptstadt gilt und als Baukunst der römischen Antike bewundert wird, wäre es ein Fehler zu vergessen, welche dramatischen Geschichten hier ihre Bühne fanden. 

Drei gewaltige übereinanderragende Arkaden, 80 Rundbögen als Eingänge, vier aufragende Stockwerke, die die Menschen unter sich in Schatten verschwinden lassen. Platz für 50.000 Menschen. Der helle Kalkstein der Außenmauern glänzt in der Sonne, blendet mich geradezu, als ich meine Augen abschirme und hinauf schaue zu dem Ort, der zwischen 72 und 80 nach Christus errichtet wurde. 100 Tage lang feierten die Römerinnen und Römer dann die Eröffnung ihres neuen Machtsymbols. 100 Tage lang ließen die kaiserlichen Herrscher Gladiatoren gegeneinander antreten, Seeschlachten in einer gefluteten Arena aufführen und Tierhetzen mit über 5000 Opfern abhalten. 

Auf ihrem Podium aus echtem Marmor thronten dann die Kaiser, Senatoren, Priester und Vestalinnen. Sie wussten sich auf ihren eigenen Plätzen mit ihren Privateingängen in Sicherheit am Rande der Arena. Hinter ihnen in den nächsten Reihen folgten die Ritter, die wohlhabenden Bürger der ewigen Stadt. Die höchsten Plätze und Stehplätze auf Holzplattformen im Obergeschoss waren den ärmsten Menschen und den Frauen vorbehalten, die trotz ihrer Armut unterhalten werden wollten. Der Tod ist ein Geschäft für alle Klassen.

Kolosseum in Rom: Baukunst der Antike — Wunder der Moderne 

Seinen antiken Namen Anfiteatro Flavio erhielt es zu Ehren der Kaiserfamilie der flavischen Dynastie, die während des Baus in Rom herrschte. Kaiser Nero — ja, der, der Rom in Flammen setzte — ließ eine kolossale Statue seiner selbst neben dem fertigen Bau aufstellen, um seine Herrlichkeit feiern zu lassen. Vermutlich ist dieses riesige Ebenbild der Grund dafür, dass die Menschen erst im 8. Jahrhundert damit anfingen, das Amphitheater als Kolosseum zu bezeichnen. Es war einfach so groß, so kolossal, dass man es kaum fassen konnte. Kein Wunder also, dass das Kolosseum heute zu den neuen sieben Weltwundern zählt und jährlich von mehr als sechs Millionen Menschen besucht wird. Damit ist es die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Italien. 

Ich stehe am Rande der elliptischen Arena und lehne mich über das Geländer aus Holz, um besser sehen zu können. Fast 190 Meter ist dieser Platz, der so viele Leben forderte, in die Länge gezogen, dazu etwa 160 Meter breit. Fast so groß wie zwei Fußballfelder. Wie muss es sich angefühlt haben, inmitten dieser Arena zu stehen, hinaufzuschauen in die Gesichter der Massen, die jubelten oder schrieen, über Tod oder Leben entschieden? Es gibt keine Ecken, in denen man Schutz finden könnte. Von meinem Ausguck aus sehe ich heute, was die Kämpfer damals nur von unten sehen konnten: Der Unterboden auf dem Fundament der Arena ist durchzogen von Kellerräumen, einem System aus Gängen und Erkern und Schächten, dem Kerker. Die ausgeklügelte Bühnentechnik aus Rampen, Flaschenaufzügen, Falltüren und Seilwinden ermöglichten es, Tierkäfige zu den Gladiatoren hinaufzuschicken oder Bühnenbilder aufzubauen, die die Kämpfe atmosphärischer machen sollten. Wälder, Eiszeit, Wüsten. Keine Szenerie war unmöglich, um das Volk bei Laune zu halten.

Ein Tag im Kolosseum: Spiele für das Volk 

Wer ins Kolosseum ging, verbrachte den ganzen Tag bei den Spielen. Morgens ließ man exotische Tiere gegen ausgebildete Kämpfer antreten. Mit Schwertern und Speeren gegen Antilopen und Hirsche, gegen Tiger und Löwen und Leoparden, Elefanten, Stiere und sogar Bären. Einige Kaiser leisteten es sich sogar, Nashörner in die Arena zu schicken. Zirkusnummern mit dressierten Tieren folgten am Vormittag — eine Praxis, die man im Angesicht dieser Tatsache in unseren heutigen modernen Zirkussen endgültig überdenken sollte. 

Die Besucher wohnten nach einer Mittagspause Hinrichtungen von Verbrechern bei, die ihren Tod im Kampf gegeneinander oder gegen überlebende Tiere fanden. Wer am Ende noch am Leben war, wurde häufig in die abendlichen Gladiatorenkämpfe und damit ins Verderben geschickt. Die Gladiatoren, die die römischen Tugenden wie Mut, Disziplin und Tapferkeit verkörpern sollten und in speziellen Gladiatorenschulen ausgebildet wurden (in Rom zum Bespiel die Ludus Magnus), präsentierten sich am Vorabend in Schaukämpfen in der Arena. Adlige konnten an diesen Schaukämpfen teilnehmen, um ihren angeblichen Mut zu beweisen. Am Höhepunkt des Tages im Kolosseum, also am späten Abend, traten die Gladiatoren, die sich in ihren Waffen und Ausrüstungen stark voneinander unterschieden, in Zweikämpfen gegeneinander an, beobachtet von einem Schiedsgericht. Am Ende warteten Sieg, Niederlage und Begnadigung, Freilassung oder der Tod. Der Gewinner wurde mit Geld und einem Zweig eines Ölbaums geehrt, er verließ das Kolosseum durch die Porta Sanavivaria (symbolisch für Leben und Gesundheit). Wer in der Arena sein Leben ließ, wurde durch die Porta Libitinaria getragen (symbolisch für die Göttin des Todes).

Kolosseum und die Erinnerung: Eine Frage der Perspektive

Ich sehe die Plätze, auf denen die Senatoren gesessen haben müssen; sehe, wo der Kaiser in seiner Loge mit Sicherheit Wein und Brot und Trauben genoss, während zu seinen Füßen ein Schauspiel ablief, das mir Schauer über den Rücken fahren lässt. Wie müssen sich die Menschen des Mittelalters gefühlt haben, die das antike Kolosseum zu Wohnräumen umfunktionierten? Spürten sie, was hier einmal geschehen war? War es den Menschen des barocken Zeitalters bewusst, als sie die Steine des Kolosseums für ihre eigenen Bauten nutzten, welche Geschichten zwischen jedem einzelnen Ziegel steckt? Im 19. Jahrhundert bewunderte man das Kolosseum wie heute für seine fortschrittliche Baukunst, es wurde zum Pilgerort für Bildungsreisen durch Europa. 

Die Archäologie trug ihr Übriges dazu bei und verschafft uns heute einen intensiven Einblick in die Grausamkeit des Ortes, der modernen Planungsbüros nun für Stadien als Vorbild dient. 

Sicher ist, dass wir in all der Bewunderung nicht vergessen sollten, auf welchen Grundmauern all die Bauwerke stehen, die uns in unserer unbefangenen Sightseeing-Welt so sehr faszinieren.

Dein Tag im Kolosseum 

Wenn du das Kolosseum besuchen möchtest, anstatt es nur von außen zu umrunden, kannst du entweder: 

  • vorher online ein Ticket bei verschiedenen Anbietern kaufen 
  • vor Ort einen unabhängigen Ticketverkäufer ansprechen und über spezielle Skip-the-Line Eingänge die Schlange umgehen (Achtung: Tickets sind deutlich teurer) 
  • dich anstellen, genug Wasser trinken und abwarten, bis du an der Reihe bist und ein Ticket an der Kasse im Kolosseum kaufen kannst. Wir haben an einem heißen Nachmittag im Juli für rund 45 Minuten angestanden, was für uns absolut okay war 
  • dich einer offiziellen Tour anschließen

Wie für die meisten Sehenswürdigkeiten gilt: keine großen Rucksäcke oder Koffer, keine waffenähnlichen Gegenstände, keine Drohnen und auch keine gewerbliche Fotoausrüstung ohne offiziellen Nachweis. Toiletten gibt es in der Arena. Ziehe unbedingt festes Schuhwerk an, denn die Treppen sind steil. 

Ein reguläres Ticket für Erwachsene kostet 12 Euro. Bist du zwischen 18 und 25 Jahren alt, erhältst du den ermäßigten Preis von 7,50 Euro. Alle unter 18-Jährigen haben freien Eintritt. Das Kolosseum hat täglich geöffnet (Ausnahmen sind der 25. Dezember und der 1. Januar), die täglichen Öffnungszeichen variieren jedoch. Informiere dich also am besten vorab für den Tag, bevor du deinen Besuch planst. 

Mit dem regulären Ticket kannst du übrigens auch das direkt gegenüberliegende Forum Romanum besuchen und auf den Palatin wandern. Beispielsweise besuchst du also am Dienstag das Kolosseum und am Mittwoch das Forum, denn ab der ersten Nutzung gilt das Ticket für zwei Tage, es eignet sich also ideal, um die Besichtigungstour nach deinem persönlichen Gusto aufzuteilen.

Auf dem Forum Romanum, auf dem einmal das antike Leben in Tempeln, Basilika, der Senatskurie und dem Haus der Vestalinnen pulsierte, empfehle ich dir, unbedingt den Dioskurentempel und die Maxentiusbasilika anzusehen. Auch das Haus der Vestalinnen mit seinem Innenhof ist sehenswert. Auf dem Palatin kannst du die Ruinen der herrschaftlichen Kaiserresidenz bewundern — das gesamte Gelände ist unfassbar groß, hat viele unterirdische Gänge und diverse Abzweigungen. Plane mindestens zwei bis drei Stunden ein. 

Du warst schon im Kolosseum?

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