Heiligabend mal anders [mit Gewinnspiel!]- Weiße Weihnachten in Neuseeland -


“I’m dreaming of a white Christmas …”, tönt es aus den Lautsprechern im Supermarkt und ich grinse ein bisschen vor mich hin. Der Kassenbereich ist mit grünen und roten Lametta geschmückt – aber sonst? Träumt hier wirklich jemand von weißen Weihnachten? Also außer uns?

In diesem Jahr verbringen wir die Weihnachtstage auf der anderen Seite der Erdkugel. Und irgendwie fehlt es uns schon ein bisschen, dieses Glühwein trinken, Dominostein essen bis uns schlecht wird, Adventskerzen anzünden. Hier in Neuseeland ist gerade Hochsommer und die meisten Kiwis genießen ihren Sommerurlaub.

Und als ich so im Supermarkt stehe, da habe ich eine Idee. Denn weiße Weihnachten müssen sich doch irgendwie auch in Neuseeland realisieren lassen, oder? Gesagt, getan! Weil es bei näherer Überlegung perfekt in den Plan unserer fünfwöchigen Route passt, wollen wir am 24. Dezember zu den berühmten neuseeländischen Gletschern Fox und Franz Josef, die, von Schnee und Eis bedeckt, bis hinunter in den – Achtung! – Regenwald reichen. Ich hoffe also auf besinnliche Stimmung hoch über den Wipfeln der grünen Bäume und ja – auf Schnee!

Weiße Weihnachten am Fox Glacier

Um vor den zu erwartenden Touristenmassen am Gletscher zu sein – wie gesagt: Es sind Sommerferien –, brechen wir am Morgen extra früh auf und sind tatsächlich die ersten, die den Fox Glacier an diesem Tag besteigen. Und auch ziemlich fix oben, denn stehen bleiben dürfen wir nicht. Das ist aufgrund der möglicherweise herunterfallen Geröllbrocken zu gefährlich. Über uns hängen dicke schwere Wolken, neben uns bahnt sich grau das Gletscherwasser seinen Weg ins Tal. Hinter unserem Rücken trifft ein erster Sonnenstrahl die grünbewachsenen Hügel.

Dann endlich: Da ist er ja (siehe Foto ganz oben). Naja, die Freude hält sich in Grenzen. Mit viel Fantasie erkennt man wohl ein bisschen Eis. Aber hey – auch bei uns in Norddeutschland sind weiße Weihnachten ja zumeist eher grau.

Wir lassen uns nicht entmutigen und machen uns auf den Weg zum Franz Josef Glacier. Vorbei an einem tollen Aussichtspunkt, zu dem ich euch unter „Wissenswertes“ später im Text noch führe.

Am Gletscher angekommen sind wir leider nicht mehr die ersten. Und hören schon, kaum, dass wir aus dem Camper ausgestiegen sind, über unseren Köpfen die Helis kreisen. Was bitte ist denn hier los?

Was ich jetzt schreibe, das habe ich erst recherchiert, als ich wieder zuhause war, nämlich …

  • dass die beiden Gletscher Fox und Franz Josef seit kurzem schneller schmilzen als je zuvor und,
  • dass es es deshalb zu gefährlich für die Touristen geworden ist, sie zu besteigen und geführte Klettertouren seit 2012 am Franz Josef und seit 2014 am Fox Glacier nicht mehr stattfinden.

Heute, an Heiligabend 2017 am Franz Josef Glacier, kann ich mir den Heli-Wahnsinn nur dank eines Schildes erklären, auf dem steht: „Im Moment sind Hubschrauber der einzige sichere Weg, um Menschen für geführte Wanderungen auf den Gletscher zu bringen.“ Und dann heißt es da noch: „Um den Aussichtspunkt ruhiger zu erkunden, besuchen Sie den Gletscher vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr (im Sommer).“

Umweltschutz am Franz Josef?

Ich bin so empört, dass ich die schöne Landschaft kaum genießen kann, als ich zum Aussichtspunkt wandere – während ein Hubschrauber nach dem anderen über unsere Köpfe fliegt. Ich finde das einfach total verrückt: Weil aufgrund des Klimawandels die Gletscher schmelzen, fliegen Hubschrauber die Menschen nun dort hinauf.

Jaja, ich weiß, was einige von euch jetzt denken: Da fliegt die um den halben Erdball, mietet sich ein Auto und fährt auch noch mehrere tausend Kilometer durch das Land und will uns jetzt ausgerechnet etwas über Klimaschutz erzählen.

Richtig, genau das will sie. Und zwar so, wie Julia es in ihrem Beitrag „Nachhaltig reisen – Ein Plädoyer für Umwelt-Bewusstsein trotz Flugreisen“ schon einmal getan hat. Mit Achtsamkeit.

Wissenschaftler haben nämlich errechnet, dass jedes Kilogramm Kohlendioxid, das wir heute ausstoßen, langfristig 15 Kilogramm Gletschereis schmelzen lässt. Auch ich wusste nicht: Ein Hubschrauber stößt 750 bis 1000 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde aus. Das macht 11.250 bis 15.000 Kilogramm Gletschereis, das langfristig schmilzt, weil EIN HUBSCHRAUBER EINE STUNDE LANG in der Luft ist.

Einmal angefixt von dem, was ich herausfinde, kann ich mit der Recherche gar nicht mehr aufhören. Finde dutzende Artikel, in denen Besucher mit Begeisterung von ihrem Heliflug berichten, in diesem Fall publiziert vom Fremdenverkehrsamt Neuseeland: „Es ist, ohne Zweifel, einer der schönsten Anblicke, den ich je gesehen habe. Und das Beste daran ist, es gibt hier nichts, was das Eis verschmutzen könnte. Die Luft ist klar, sie ist sauber, das Wasser, das von den Wänden der Höhle tropft, ist so rein wie es nur irgendwie rein sein könnte.“ Merkt ihr was? Und dann steht da noch: „Ich war in einem Moment in der Zeit, der trotz der sich verändernden Landschaft, vor zehntausend Jahren genauso ausgesehen haben dürfte, wie vor hundert Jahren. Genauso wird es hier morgen aussehen und auch noch im nächsten Jahrtausend.“

Stimmt leider nicht, kann ich dazu nur sagen. Denn Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Gletscher in 100 Jahren vollständig verschwunden sein wird.

Trotzdem – oder gerade deshalb, fliegen jedes Jahr 70.000 Menschen auf den Gletscher hinauf. Während es 2012 noch 16.235 Hubschrauberflüge pro Jahr gab, sind es inzwischen fast 40.000 – Tendenz steigend.  Während der Spitzenzeiten hebt etwa ein Heli pro Minute ab.

Ich habe da ein paar Tipps

Ihr merkt schon: Der Besuch von Franz Josef an Heiligabend hat mich tief berührt – und alles nur, weil ich ein kleines bisschen weiße Weihnachten haben wollte. Nun mündet der Besuch immerhin in einem guten Vorsatz für das neue Jahr: Nämlich zuhause und auf Reisen noch stärker darauf zu achten, wie wir die Umwelt, die uns geschenkt wird, genießen und trotzdem schonen können.

Falls ihr in nächster Zeit auch zum Franz Josef Gletscher reist, hier mein Vorschlag: Sucht euch Alternativen, die die Umwelt und euer Budget weniger belasten. Nutzt einen der vielen Wanderwege, die euch einen atemberaubenden Ausblick auf den Gletscher erlauben. Oder bucht eine Bootstour. Denn weil am Franz Josef aufgrund des Schmelzwassers ständig neue Seen entstehen, könnt ihr darauf inzwischen mit einem Boot umherschippern und dabei die gewaltigen Eisberge bestaunen, die aus dem Gletscher brechen. Das ist allemal umweltschonender!

War da noch was? Ach ja, Weihnachten!

Wir jedenfalls haben jetzt auch wieder genug von weißen Weihnachten und düsen weiter zum Strand.

In Hokitika lassen wir uns mit unserem Camper direkt am Strand nieder und feiern ab jetzt nach neuseeländischer Tradition – inklusive Barbecue direkt am Wasser. Erst Schnee und Eis, dann Sommer, Sonne und Strand. Und all das an ein und demselben Tag – und dann noch Heiligabend. Typisch Neuseeland eben.

Ich schmeiß dann mal den Grill an …

Gewinnspiel (abgelaufen!)

Dieser Beitrag ist Teil des Reiseblogger-Adventkalenders, deshalb seid ihr jetzt an der Reihe. Ich freue mich auf euren Kommentar zum Text: Erzählt mir, ob ihr Weihnachten schon einmal in einem anderen Land verbracht habt und wie es auch gefallen habt. Oder schreibt, was ihr zum Thema Umweltschutz auf Reisen auf dem Herzen habt. Jeder Kommentar nimmt an der Verlosung teil und mit etwas Glück gewinnst ausgerechnet du ein JourneyBook für Neuseeland oder eine andere Destination. Übrigens: Alle Kommentatoren (auch die, die nicht gewinnen), bekommen von mir im Anschluss einen Rabattcode für ein JourneyBook über zehn Prozent!

Teilnehmen könnt ihr noch in diesem Jahr, also bis zum 31.12.2018 um 23:59:59. Euren Namen und eure E-Mail-Adresse, die nicht öffentlich angezeigt wird (!), verwende ich nur im Rahmen dieses Gewinnspieles (klickt hier für mehr Informationen über euren Datenschutz). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Verlosung erfolgt via Zufallsgenerator. Den Gewinner kontaktiere ich per Email. Kann die E-Mail nicht zugestellt werden, verlose ich den Gewinn weiter.

Wissenswertes

Wie oben schon versprochen hier noch mein kleiner Geheimtipp, der Peak Viewpoint. Gebt einfach bei Google Maps diese Zahlenkolonne ein und schon landet ihr direkt am Aussichtspunkt: -43.451690,169.914242Peak Viewpoint in Neuseeland zum Fox Glacier