Wasserfälle in der Türkei- Ein Tag in der Natur -


Antike Städte, Ruinen, riesige Bauten, atemberaubende Geschichte — ja, das ist mein Ding. Irgendwann wird es aber auch für mich Historienliebhaberin zu viel und ich suche auf Reisen nach einer gegenkulturellen Auszeit. Was ist da schöner, als ein Tag in der Natur?

Pauschalreisen sind eigentlich nichts für mich, weswegen ich auch nicht gerne auf die Tipps von Reiseleitern höre, wenn ich es vermeiden kann. Bei meinem Urlaub in Antalya muss ich mir aber eingestehen, dass ich ruhig öfter einmal machen kann, was die netten Damen von der Reisegesellschaft vorschlagen…denn ohne sie hätte ich diesen Ausflug vielleicht nie unternommen — und hätte dieses herrliche Naturschauspiel nicht erleben können.

Mit dem Dolmus, wie die Sammeltaxen in der Türkei gerne genannt werden, geht es aus der wuseligen Innenstadt von Antalya los zu meinem heutigen Ziel: Ich fahre nach Kursunlu Selalesi. Meine zwanzig Mitreisenden und ich schaukeln während der Fahrt durch die Stadt hin und her. Bis zu einem Fußballplatz etwas außerhalb der Stadt fährt der Dolmus, dann hat unser Fahrer seine Route beendet und wir müssen aussteigen. Weil der türkische Nahverkehr meine Kenntnisse übersteigt, entscheide ich mich ab hier für ein Taxi, das mich für 10 Euro mitnimmt.

Etwa 40 Kilometer nördlich von Antalya steige ich aus. Vor mir nichts als Wald.

Das Taxi rauscht im Sand davon und ich stehe mit meinem Rucksack in der Hand vor hoch aufragenden Kiefernwäldern, die leise in der Brise rauschen. Es duftet holzig und warm nach Wald, Tannennadeln und dem dichten Sand, der den Boden bedeckt. Ein schmaler Pfad zwischen den Kiefern führt mich durch die eng stehenden Pflanzen, über kleine Brücken und Bachläufe.Und dann öffnet sich der atemberaubende Anblick vor mir: Ein offenes Tal, überhangen mit so vielen Grüntönen, dass ich sie nicht zählen kann. Lianen, palmenartige Büsche, Brombeersträucher, noch mehr Kiefern, herabhängende Weiden mit ihren langen Blättern, Farne. Eichhörnchen springen zwischen den Ästen umher, Spechte fliegen auf, eine riesige Schildkröte ruht auf einem Stein mitten im Wasser und hinter ihr ragt auf, wofür ich hergekommen bin: Wasserfälle.Nicht nur einer, nein. Viele große und kleine Wassermassen prasseln an den Kalkhängen hinab, hinter denen sich Hohlräume gebildet haben. Im türkisblauen Flusstal schäumen die Wassermassen weiß auf und rauschen weiter. Wie hoch sie wohl sind? Fünf, sieben, zehn Meter? Der Anblick ist berauschend. Ich entdecke Stromschnellen, enge Naturpfade, Miniwasserfälle und ihre sprudelnden Vorhänge abseits des Tals.

Den ganzen Tag wandere ich durch die abzweigenden Pfade des Naturparks, bewundere diese Seenlandschaft, sehe Fische im Wasser, bunte Vögel in den Baumkronen. Meine Kamera kommt kaum zur Ruhe, so viele schöne Motive finde ich.

Der gesamte Park strahlt Ruhe aus. So erholt habe ich mich lange nicht gefühlt, denke ich, als ich am frühen Abend den Heimweg antrete. Es waren nicht viele Menschen hier. Die Worte der Reiseleiterin aus meinem Hotel fallen mir ein: Viele Leute fahren lieber an die Düden-Wasserfälle, weil sie größer sind als Kursunlu. Der Naturpark in Kursunlu ist dafür viel weniger touristisch, viel naturbelassener und sehr gut erschlossen — ja, denke ich jetzt, sie hatte recht. Hierher würde ich immer zurückkommen.

Nach meinem Naturtag gönne ich mir das Taxi bis zum Hotel zurück. Wer hier noch nicht genug hat, kann den Besuch in Kursunlu Selalesi mit den Ausgrabungsstätten der antiken Stadt Perge verbinden. Zu sehen gibt es das antike Theater und die gewaltigen Befestigungsmauern aus römisch-hellenistischen Zeiten.

Wissenswertes

Für den Eintritt in den seit 1991 unter Naturschutz stehenden Naturpark sollte man einige Lira dabei haben, aber mittlerweile wird auch Euro gerne genommen. Der Park liegt außerhalb von Antalya, ist aber in weniger als 30 Minuten schnell zu erreichen. Die Wanderwege bieten sich nicht nur fürs Fotografieren und Bewundern der Pflanzenvielfalt an, sondern laden zum Picknicken ein. Adresse: Kursunlu Selalesi, 07110 Kursunlu