Bornholms süßes Handwerk- Manufakturen in Svaneke produzieren Süßigkeiten -


Für jede Farbe ein eigenes Bonbon: Wer Bornholm im Herbst besucht, den empfängt die Insel mit südlich-mediteranem Flair, warmem Licht und kleinen süßen Kunstwerken. Svaneke, die Hauptstadt der handgemachten Leckereien, lockt mit typisch dänischen Drops, raffinierten Pralinen und buntem Weingummi.

Sie leuchten wie das warme Gelb der abgeernteten Kornfelder, die den Weg vom Fährhafen in Rønne entlang der Küste gen Norden säumen. Oder wie das glitzernde Blau der kühlen Ostsee, die zur Linken am Wegesrand liegt und in dieser Jahreszeit nur noch die Hartgesottenen zu einem kurzen Bad einlädt. Und manche von ihnen auch wie das feurige Rot der frühen Sonnenuntergänge, das sich kurz vor der Nachtruhe wie eine wärmende Decke über den tagsüber quirlig-belebten Ort legt. Svaneke Bolcher heißt die süße Bonbon-Spezialität, die auf der kleinen dänischen Insel unter den wachsamen Blicken kritischer Kinderaugen produziert und danach in die ganze Welt exportiert wird.

Der Ort der Künstler und Kreativen

Eigentlich wollte Peter Kastrup als Bäcker arbeiten, doch jetzt steht er in der kleinen Bonbonmanufaktur, die genauso heißt wie die Drops selber, und wälzt Zuckermassen ganz ohne Ei und Mehl. „So viele Süßigkeiten wie früher esse ich heute nicht mehr“, erzählt der 42-Jährige schmunzelnd den Besuchern, die ihn mit neugierigen Blicken bei der Arbeit beobachten. Gekonnt schwingt er die Bonbonteigmasse um einen Haken in der Wand. Zieht kräftig dran, gleich zehn, zwanzig, manchmal dreißig Mal und schwingt die Masse wieder über den Haken, bis sie ganz fest ist und die goldene Farbe einem glänzenden Silber gewichen ist. Mit dem linken Arm wischt er sich die Schweißperlen von der Stirn.

Wer den kleinen Ort Svaneke an der Ostküste der dänischen Insel Bornholm besucht, kommt, ob sportlich mit dem Fahrrad oder gemütlich mit dem Auto oder Bus, immer zuerst an der Hafenpromenade an. Und wird sogleich verstehen, warum das maritime Städtchen seinem Ruf als schöner Schwan Dänemarks mühelos gerecht werden kann. Mit seinen in Senffarben gekalkten Fachwerkhäusern aus dem 19. Jahrhundert, die allesamt unter Denkmalschutz stehen, dem tiefblauen Hafenbecken mit seinen weißen Segelbooten und den alten Holzkuttern, und den herrschaftlichen Kaufmannshäusern zieht Svaneke nicht nur Künstler und Kreative sofort in seinen unbeschwerten Bann.

Am Morgen strahlt die Sonne hier besonders schön über das Meer und auf die saftig grünen Gärten der Sonneninsel, in denen sogar Feigen- und Maulbeerbäume wachsen, und deren Häuser so poetisch klingende Namen tragen wie Lykkebo, Rosenhaven und Birkby, die dänischen Namen für Glücksbewohner, Rosengarten und Birkendorf.

Die Holzspule in der Bonbonmanufaktur rattert schon. Sie formt die Masse sogleich zu einer Rolle, aus der Kastrup nun einen langen Faden zieht. Eine weitere Maschine stanzt Formen in den Teig. Wenn Kastrup und sein Kollege Kaspar Jakobsen Bonbons kochen, dann steigt die Temperatur in dem kleinen Raum, und ein süßer Duft legt sich über die Besucher, die in Scharen von dem duftenden Lakritz angezogen werden.

Wums! Ein lauter Krach geht durch den Raum, die Kinder halten sich erschrocken die Ohren zu und auch die Erwachsenen zucken zusammen. Jacobsen hat die Bonbons in die Luft geworfen und mit der großen Kelle wieder aufgefangen, die zuvor lange Lakritzkette hat sich nun in viele einzelne Bonbons zerteilt. Jeder darf einen probieren, das versöhnt.

Ein Handwerk mit langer Tradition

Keine Frage, Schiffskoch Thomas Ibsen hat einen guten Job gemacht, als er nebenberuflich drei Jahre lang tagein tagaus alte Bonbon-Rezepturen probierte, bis ihm Geschmack und Qualität ganz zusagten. Seither rollen jährlich tausende Bonbons über die Theke des über 200 Jahre alten Kaufmannshofes, viele Besucher kommen aus dem Ausland, aber auch die Dänen selber besuchen die Produktionsstätte „ihrer“ Nationalbonbons.

Und wie die Maler auf der Insel in ihren Galerien ihre Bilder ausstellen, so präsentieren auch die Fabrikanten der Süßigkeiten hier in Svaneke ihr Handwerk, die Lakritzmacher, die Schokoladenhersteller, die Karamellfabrikanten und die Bonbonkocher. Und so kommen auch die von Kastrup frisch produzierten Leckereien sogleich zu den anderen süßen Kunstwerken, von denen, manche verziert mit einer Qualle, andere mit Blumen oder Erdbeeren, 30 weitere Sorten in großen Metallkübeln im angrenzenden Verkaufsraum liegen.

Dass sie dort nicht lange verweilen, weiß Kastrup. Denn spätestens in zehn Minuten wird sich die nächste Kinderschar über die bunten Leckereien hermachen. Macht nichts, schließlich sorgen er und Kollege Jakobsen ja stündlich für Nachschub.

Wissenswertes

Svaneke Bolcher hat Montag bis Freitag von 10 bis 17 und am Samstag bis 15 Uhr geöffnet. Ihr findet den niedlichen Laden am Svaneke Torv 7.

Du hast jetzt auch richtig Lust, der Insel einen Besuch abzustatten?

Dann kann ich dir den Reiseführer InselTrip Bornholm* empfehlen. Hier bekommst du nicht nur ganz klassisch das Buch und den obligatorischen Faltplan, sondern auch eine Web-App mit dazu.

Übrigens: Die Schiffe der Reederei Faergen fahren vom norddeutschen Hafen Sassnitz auf Rügen nach Rønne auf Bornholm. Tickets für Pkws mit bis zu fünf Personen gibt es in der Nebensaison für 120 Euro pro Strecke.

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Ich habe Bornholm im Rahmen einer Pressereise besucht. Die Kosten für meine Überfahrt hat die Reederei Faergen übernommen.