Sirtaki auf der Akropolis- Athener, Tempel und die Honigbällchen -


Das linke Bein über das rechte, dann zurück, wieder vor, einmal im Kreis — jemand wirft mir herzlich den Arm über die Schulter, ich werde geschoben zwischen schwitzenden Griechen, die lauthals lachen und singen. Ich verstehe kein Wort, lache auch und tanze mit: Sirtaki auf dem Weg zur Akropolis. 

Dass Sirtaki eigentlich kein griechischer Volkstanz ist, erfahre ich erst hinterher, aber die Griechen scheint es nicht zu stören. „Es gibt einen Tanz bei uns, da stehen wir im Kreis und wiegen uns mehr zur Seite“, erklärt mir Linós, einer der jungen Männer aus der Gruppe. „Aber wir tanzen lieber Sirtaki, der ist witziger.“

Die griechischen Familien, die es sich unter den Zypressen rund um den Akropolis-Hügel bei einem Picknick bequem gemacht haben, vertreiben sich ihre Zeit mit dem Sirtaki, der durch einen Film aus den 1960er Jahren bekannt wurde.

Unser Tanz endet, leider mag sich keiner mit mir fotografieren lassen, aber ich darf mich mit der Gruppe stärken, bevor ich mich weiter den Hügel hinauf aufmache. Es gibt Loukoumades. „Das sind Teigbällchen, frittiert in Fett, umhüllt mit Zimt und Honig“, lasse ich mir von Linós‘ Cousin erklären. Seinen Namen kann ich nicht aussprechen. Das süße Gebäck trieft von Zucker und Fett, es schmeckt hervorragend. Linós und seine Familie verabschieden sich fröhlich von mir und wünschen mir viel Spaß auf der Akropolis. 

Früher war die Akropolis auf dem Hügel ein eigener Bezirk von Athen, lese ich in meinem Reiseführer. Die Stadt über der Stadt nannte man sie. Das riesige Gelände bezeichnet nämlich nicht nur diesen einen Tempel, den wir von Postkarten kennen. Nein, die Athener Akropolis umfasst alle der historischen Gebäude auf dem Hügel im Herzen der Stadt.

Der Berg, auf dem die Stätte ruht, ist der Göttin der Stadt geweiht: Athene. Wenn es um griechische Gottheiten geht, bin ich sofort Feuer und Flamme. Die Kultstätten mit ihrer Geschichte faszinieren mich immer wieder. Mit dem wohlbekannten Kribbeln im Bauch komme ich aus dem Wäldchen hervor, wische mir den restlichen Honig von den Fingern und steige die gewaltigen Marmortreppen hinauf. 

 Vor mir, neben mir, hinter mir, überall sind Menschen, alle starren wir mit großen Augen hinauf. Vor uns liegt der majestätische Torbau, die Propylaea, die den Eingang zum Parthenon markiert. Wer das Brandenburger Tor in Berlin oder den Königsplatz in München kennt, der kann sich vorstellen, wie diese Säulenformation aussieht, die uns alle überragt.

Es geht weiter zum Parthenon: Das Highlight auf der Akropolis. Seit Jahren ist der Tempel für Athene mit Baugerüsten umzäunt, doch trotzdem halte ich inne. Seit 2.500 Jahren wacht dieses architektonische Meisterwerk hier. Was wohl von unserer Zeit in 2.500 Jahren noch zu bewundern sein wird? 

„Im Inneren des Parthenon stand einmal eine mächtige Goldstatue der Athene“, schnappe ich bei einer Touristenführung auf. Dann schlendert die Gruppe vom oberen Plateau zum Erechtheion hinunter. Leise gehe ich mit. Einmal soll hier der Tempel des mythischen Königs Erichthonoios gestanden haben, erfahre ich als heimlicher Lauscher am Ende der Gruppe. Heute wacht der beeindruckende Tempel an dieser Stelle. Für 13 verschiedene Gottheiten sollen hier Kulte abgehalten worden sein. Die Vorhalle, auch Korenhalle genannt, wird von den Karyatiden geziert, sechs Mädchenfiguren. Es sind Nachbildungen, und doch schweben mir die Bilder im Kopf herum: Die Tempelwächterinnen und Priesterinnen, die die geweihten Rituale durchführen, die Gottheiten ehren und sich sicher sind, ihr Schicksal in die Hände der Athene legen zu können. So viel gibt es hier oben zu entdecken: Der Marshügel mit dem weiten Ausblick über den Parthenon, den Niketempel, das archäologische Museum, das Odeon des Herodes Atticus, die Agora, die Hadriansbibliothek … der Tag ist vorüber, ehe ich auch nur annähernd alles gesehen habe. Loukoumades könnte ich aber schon wieder essen. Ob Linós schon weitergezogen ist?

Für einen Tag abtauchen in die griechische Kultur — ich hoffe, dass auch ihr Teil eines Familienfestes samt Loukoumades und Sirtaki werdet, wenn ihr das Athener Wahrzeichen besucht.

Wissenswertes

Mit der U-Bahn kommt man leicht zur Akropolis. Aussteigen an den Stationen ACROPOLIS oder MONASTIRAKI, dann nur noch den Berg hoch, wo bereits mehrere Tickethäuschen stehen. Der Aufstieg auf dem Gelände ist entspannt, es gibt viele Souvenirläden, aber man sollte sich gut mit Wasser versorgen, besonders wenn es heiß ist.

Der Eintritt kostet mittlerweile 20€ für Erwachsene, Studenten und Senioren. bekommen für 10€ Tickets, unter18 Jahren ist der Eintritt frei.

Die Kombi-Tickets lohnen sich, wenn man die Museen besichtigen will, die Archäologische Stätte von Lykeion, die Hadriansbibliothek und mehr. Hier kosten die Tickets 30€/15€.

Das Gelände ist von April bis Oktober von 08.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Von November bis März ist von 08.30 bis 17.00 Uhr geöffnet.

Wer den ungestörten Blick auf ganz Athen genießen will, sollte vor zehn Uhr hier sein, ehe die Touristenbusse ankommen.