Schönheit von Rhodos- Griechenlands Trauminsel erleben -


Die Erinnerungen werden wach, als ich durch die hohen Steinmauern trete, die die Stadt umgeben. Rhodos…Ich habe eine tiefe Verbindung zu dieser Insel: Hierher führte die erste lange Reise meiner Kindheit, hier lernte ich schwimmen, hier entstanden enge Freundschaften. Ich bin heute vielleicht älter, als ich Rhodos betrete, doch im Herzen bin ich noch immer das Kind, das sich an der griechischen Schönheit nicht satt sehen kann. 

Unsere Fremdenführerin heißt Nena. Sie hat einen ganz anderen Namen, aber den kann keiner aussprechen, deswegen dürfen wir sie Nena nennen. Nena spricht vier Sprachen fließend, kommt aus Athen, hatte das griechische Festland irgendwann satt, auch ihre Tätigkeit als Dozentin für Geschichte an der Universität hat ihr nicht mehr gefallen und so kam es, dass sie nach Rhodos übersiedelte. Seitdem führt sie Reisende wie uns über die Insel. Sie erwartet uns am historischen Stadttor, das man zu Fuß vom Hafen aus erreichen kann, wo wir mit dem Boot angekommen sind.

„Kalhmera!“, ruft sie ausgelassen.

Wir winken.

Für den Vormittag hat Nena sich einen Rundgang durch Rhodos Stadt überlegt. „Wir gehen einfach mal drauf los“, ist ihr Motto. Gespannt laufen wir in unseren FlipFlops hinter ihr her.

Sofort beginnt Nena, in alte Professoren-Muster zurückzufallen. Ihre Vorlesung geht in etwa so: „Es ist schon sehr lange her, da beschloss Zeus, Vater aller Götter, dass es kaum Freude macht, seine Schätze ganz alleine für sich zu behalten. Daher wollte er seinen Mitgöttern, die gleichzeitig auch seine Familie waren, einige schöne Plätze auf der Erde abzugeben. Sein guter Freund Helios, Gott der Sonne, wünschte sich eine besonders fruchtbare Insel. Zeus überlegte kurz, dann gab er Helios eine grüne, saftige Insel. Helios war zu dieser Zeit schwer verliebt in die Nymphe Rhode — und so nahm er Rhode mit auf die Insel, benannte seinen neuen Wohnsitz Rhodos nach seiner Frau und sie bekamen sieben Kinder.“

„Nur sieben?“, quatscht ein Engländer, der sich uns angeschlossen hat, kichernd dazwischen. „Für die Griechen ist das ja ziemlich zölibatär!“

Nena wirft ihm einen bösen Blick zu, denn Vorurteile kann sie nicht leiden. Der England-Quatscher hält schnell den Mund und schaut betreten drein.

„Sieben Kinder hatten Helios und Rhode also. In der Mythologie werden die Kinder auch die Heliaden genannt. Der älteste Sohn dieser Kinder wiederum bekam drei Söhne. Diese Söhne sind die Gründerväter der wunderschönen Stadt, durch die wir hier gerade schlendern! Kameiros, Ilaysos und Lindas legten den Grundstein für das, was wir heute sehen.“

„Unglaubwürdig“, flüstert der England-Rüpel. Nena ignoriert ihn, und wir auch.

Wir erfahren, dass die Hälfte der Inselbewohner von Rhodos in Rhodos Stadt lebt. Nena weist uns auf dieses und jenes hin, aber ich habe hauptsächlich Augen für die Blütenpracht, die an so vielen Seiten der Stadtmauer wächst, sich kunstvoll über alte Tore rankt und in großen Steintöpfen am Eingang der Museen wacht.

Am Mittag erreichen wir den Großmeisterpalast.

„Im 14. Jahrhundert“, doziert Nena, „lebte hier der Großmeister des Johanniterordens von Rhodos. Später dann wurde der Palast unter der Herrschaft der Osmanen zum Gefängnis, zu einem Pulvermagazin und schließlich — also heute — ist es unser Archäologisches Museum.“ Nena kauft Tickets, wir folgen ihr hinein.

Die Böden des alten Palastes sind übersät mit fantastischen Mosaikmustern. Auch eine Kopie der Laokoon-Gruppe gibt es hier. Die kenne ich doch schon von meinem Korfu-Ausflug, denke ich lächelnd. Auf die Griechen ist immer wieder Verlass.

Der Nachmittag führt uns nach Petaloudes, ins Tal der Schmetterlinge. Pinien, riesige Nadelbäume, die würzig-orientalischen Amberbäume säumen die Schlucht. Ein Wasserfall plätschert ganz in der Nähe, hinunter in einen schmalen See, und trotz der Hitze in der Stadt ist es hier kühl im Schatten der Bäume. Zuerst sehe ich nichts.

„Wo sind denn die Schmetterlinge?“, frage ich Nena leise. Sie lacht, dann nickt sie nach links. „Sie doch mal genauer hin…“

Und dann sehe ich sie: Die Bäume, die Blätter, die Baumstämme, alle Sträucher…alles ist voll von ihnen. Sie ruhen gelassen auf ihren Plätzen, nur hin und wieder fliegt einer von ihnen auf. Sie haben alle Farben, rot, gelb, orange, pink, lila, schwarz, weiß…zu meinen Füßen lässt sich ein Falter nieder. Ich bleibe stehen, lächle, bin glücklich, dass Griechenland die kleinen Wunder zu schätzen weiß.

Wissenswertes

Rhodos ist die größte Insel der Dodekanes und liegt in der Ägäis. Die Insel ist besonders bekannt für die antiken Bauwerke aus der Zeit der Besatzung durch den Johanniterorden, ein Ritterorden während der Kreuzzüge. Aus dieser Zeit stammen die Stadtmauer um Rhodos Stadt, der Großmeisterpalast und die ritterlichen Straßen.

Ein beliebtes Ausflugsziel ist das Schmetterlingstal im Nordwesten der Insel. Die Schmetterlinge kann man zwischen Juni und September bestaunen. Leider geht die Population der Schmetterlinge immer weiter zurück, da sie sich durch die vielen Touristen gestört fühlen.