Pisa in 2 Tagen- Survival Guide für Entspannte und Naturliebhaber -


Wenn die Hälfte der Einwohner im Hochsommer aus Pisa verschwindet, ist es plötzlich ganz ruhig. Es sind Semesterferien, die Studenten fahren nach Hause und lassen die herrlich gelbgestrichene Stadt in der Toskana in entspannter Atmosphäre zurück. Es ist die beste Zeit für ausgedehnte Spaziergänge, Abende im Freilufttheater und Einkäufe auf dem Markt. 

 Das Flugzeug landet auf dem winzigen Flughafen Galileo Galilei. Wir sind da — zwei volle Tage in Pisa liegen vor uns. Dort, wo der Arno mündet, dort, wo die Italiener ihre Kinder auf Elitehochschulen und auf die Universität schicken, dort, wo der Schiefe Turm immer schiefer wird.

Vom Flughafen braucht man  kein Taxi und auch keinen Bus. Nach 15 Minuten zu Fuß sind wir mittendrin in der historischen Stadt. Das schlichte Apartment, das uns unser neuer Bekannter Francesco überlässt, hat eine Küche, ein Schlafzimmer, ein Bad und liegt direkt an der Hauptstraße Corso Italia. Cafés, Bars, Shops, alles direkt um uns herum.

Tag 1: Die Wunder des Platzes der Wunder

In Pisa kann man noch ursprüngliches italienisches Leben entdecken. Weil sich die meisten Touristen nur um den Schiefen Turm herum aufhalten und sich kaum durch die Straßen bewegen, kann man einmal rechts und einmal links abbiegen und eine Stadt erleben, die sich gemächlich seufzend in der Sonne ausstreckt.

Der Schiefe Turm

Trotzdem wollen wir uns den Schiefen Turm, den Campanile, nicht entgehen lassen. Wer die Tagestouristen aus Florenz und Umgebung umgehen will, kommt ganz früh am Morgen zum Turm, der auf dem Platz der Wunder steht. Im 12. Jahrhundert sollte er der freistehende Glockenturm für den Dom zu Pisa werden. Da er aber auf morastigem und sandigem Untergrund gebaut wurde und plötzlich in Schieflage geriet, musste der Bau erst ruhen, um dann angepasst zu werden. Jedes Jahr neigt sich der Turm ein wenig mehr — wie lange er wohl noch steht? Natürlich darf das klassische „Ich halte den Turm von Pisa fest“-Foto nicht fehlen. Aber bitte: Lasst die Selfie-Sticks zu Hause. 

Dom und Baptisterium

Der Dom hinter dem Schiefen Turm ist die Kathedrale Santa Maria Assunta. Wie der Dom in Florenz ist auch Santa Maria Assunta aus leuchtend weißem Carrara-Marmor entstanden. Neben dem Dom steht das Baptisterium, die Taufkirche. Der imposante Rundbau beherbergt ein riesiges Taufbecken und viele christliche Symbole, die einige Forscher dazu veranlasst haben, verschiedene Zahlensymboliken zu deuten und ihnen Bibelbelege zuzuordnen.

Camposanto

Im Norden liegt der Camposanto Monumentale, die Friedhofsanlage von Pisa. Die gotischen Kreuzgänge verleihen dem Camposanto etwas Mystisches. Viele Grabmäler aus verschiedenen Jahrhunderten verteilen sich unter den Gängen um den Hof herum, der von duftenden Zypressen gesäumt wird.

Märkte und Gelato

Die historische Straße führt immer geradeaus. Viele bekannte Läden haben den ganzen Tag geöffnet. Und hinter der nächsten versteckten Ecke liegen einladende Trattorias mit handgemachten Pizzen, fruchtiger Eiscreme und dem ein oder anderen Leckerbissen aus einer altehrwürdigen Bäckerstube. Dienstags gibt es einen Markt am Stadteingang mit frischem Obst und Gemüse aus der Region, daneben verkaufen viele Pisaner traditionelle italienische Kunst aus Holz. 

Tag 2: Spazieren in Pisa

Der zweite Tag beginnt mit einem ausgedehnten Spaziergang an beiden Flussufern. Wer nach rechts und links schaut, wird mit kleinen Sehenswürdigkeiten belohnt: Die Kirche Santa Maria della Spina zum Beispiel beugt sich beinahe mit ihrem Fundament über die Balustrade am Ufer. Hier wurde früher einmal ein Dorn der Dornenkrone aufbewahrt. 

Gärten und Parks

Weiter geht es zum Giardino Scotto. Der Garten liegt innerhalb einer Festung aus dem 15. Jahrhundert. Ein natürliches Amphitheater, ein Spazierweg und riesige Platanen laden zum Verweilen ein. An einigen Abenden im Sommer steht im Theater eine Leinwand und man kann bei einem Glas Wein Filme unter dem Sternenhimmel schauen – am Parkeingang gibt es ein Programm.

Wo? Lungarno Fibonacci, im Sommer von 08.00 bis 20.00, im Winter von 09.30 bis 16.30

Natur pur gibt es auch im Parco di San Rossore. Zu Fuß dauert es eine Weile dort hinaus, ihr könnt euch in der Stadt auch Fahrräder mieten und entlang des Flusses zum Park fahren. Der Park reicht von Pisa bis nach Lucca, gehörte einmal dem König von Italien und ist heute öffentlich zugänglich — allerdings nur sonntags und an Feiertagen. Wer durch den Park reiten möchte, kann sich einer Pferdegruppe anschließen.

Wo? Localitá Cascine Vecchie, März bis Oktober, Öffnungszeiten variieren

Wer lieber in der Stadt bleibt, dem möchte ich den Botanischen Garten von Pisa ans Herz legen. Zwischen den gepflegten Pflanzenanlagen kann man sich sonnen, die Ruhe genießen und einfach die Seele baumeln lassen. Der Orto Botanico war einmal der älteste Botanische Garten einer Universität, ehe Padua ihm den Rang ablief, da der Garten von Pisa nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle steht.

Wo? Via Luca Ghini 13, 08.00 bis 20.00

Zum Abendessen geht es zurück in die Stadt zu Il Vegusto in der Piazza Facchini 13. Das vegane Omelett und die Gemüsepfanne sind unglaublich gut!