Paradies, Flucht, Hungersnot- Wer achtsam reist, entdeckt auch Schattenseiten -


„Sei vorsichtig ja?“ gibt mir eine Freundin als guten Rat mit auf den Weg, als ich nach Kenia weiterfliege, und schickt mir noch einen Artikel von BBC. „Cholera-Ausbruch in Kenia“ lautet der Titel und nachdem wir auf Sansibar schon mit der tödlichen Krankheit in Berührung gekommen sind, habe ich dieses Mal tatsächlich ein mulmiges Gefühl.

Doch vorerst präsentiert sich Kenia uns von seiner besten Seite. Unser kleines Häuschen steht mitten im Grünen und gleichzeitig direkt am Strand. Zweimal am Tag hüpfen die Äffchen lustig herum und im Urwald nebenan trompeten schon am frühen Morgen die Elefanten. Cholera? Malaria? Katastrophe? Ganz weit weg!

Die einzige Unsicherheit: Der Wahlausgang!

Wir sind nicht bloß als Touristen hier, wir wollen hier leben – jedenfalls für einige Zeit. Mit unseren langen blonden Haaren fallen wir im Ort auf und bald schon grüßen uns die Menschen auf der Straße mit Namen. Die nationale Politik ist häufig Thema, wenn wir uns mit ihnen unterhalten, schließlich stehen die Wahlen an – und das erstmalig in Afrika gleich zweimal hintereinander. Kurz vor dem Wahltag schickt das Auswärtige Amt uns ein E-Mail und rät zu erhöhter Vorsicht und Hamsterkäufen. Gleichzeitig fallen viele Wohlhabende aus Nairobi bei uns im Ort ein, denn: Hier fühlen sie sich sicher.

Das Land, so wie es mir begegnet, ist nicht das Kenia, das ich aus den Medien kenne. Den Menschen hier an der Küste geht es gut, sie können sich etwas zu essen und ihren Kindern eine Schuluniform kaufen. Wenn ich dann abends nach meiner Yogaklasse auf der Dachterrasse sitze und den Blick über den Dschungel auf das Meer genieße, erscheint es deshalb unwirklich und weit weg, dass sich in ganz Kenia und vor allem im Norden und Osten des Landes humanitäre Krisen abspielen.

Kenia zählt zu den Ländern in Afrika, die am stärksten von Ungleichheit betroffen sind

Denn die plötzlich fallenden Temperaturen im April haben dazu geführt, dass Zehntausende Nutztiere gestorben sind – die geschwächten Tiere haben den starken Wetterumschwung einfach nicht verkraftet. Und weil schon im dritten Jahr in Folge die üblicherweise heftigen Regenfälle ausbleiben, sind die Ernteerträge niedrig. Während ich dann am Marktstand zuweilen nicht das Obst oder Gemüse bekomme, auf das ich mich ausgerechnet an diesem Tag so sehr gefreut hatte, bedeutet es für viele Einheimische, dass sie auf der Suche nach Nahrung im eigenen Land zu Flüchtlingen werden. Mittlerweile sind in Kenia über 100.000 Kinder unter fünf Jahren akut mangelernährt. Und bis zum Krieg in Syrien war das Flüchtlingscamp Dadaab im Osten von Kenia das weltgrößte.

Doch selbst wenn der Regen kommt, bringt er nicht nur Gutes. Wir haben auf Sansibar hautnah erlebt, wie Abwassersysteme versagten und sich der Cholera-Erreger rasend schnell im einzigen Brunnen des Ortes verbreitete.

Und als sei all das noch nicht genug, kommen in Kenia zu den ohnehin schon von den Folgen der Dürre betroffenen einheimischen Flüchtlingen auch noch über 300.000 geflohene Somalier und etwa 75.000 aus dem Südsudan, die – vertrieben von Hungerkrisen und andauernden Konflikten in ihren Heimatländern – dringende humanitäre Hilfe brauchen.

Was können wir also tun?

Spürst du auch die Hilflosigkeit, die sich bei diesen Fakten breit macht?

Ich gebe zu, dass mir nach der Zeit auf Sansibar ein riesiger Stein vom Herzen gefallen ist, als ich in Kenia, zumindest in „meinem“ Kenia, das Paradies gefunden habe. Trotzdem möchte ich natürlich nicht ausblenden, dass es eben jenes beschriebene Elend ganz in der Nähe gibt.

Zusammen mit der Stiftung United Internet for UNICEF ist deshalb dieser Artikel entstanden. Ihr Ziel ist es, dass Kinder in Kenia und anderen Kriegs- und Entwicklungsländern überleben und gesund sind. Mit Hilfe von Spendengeldern unterstützt sie beispielsweise mobile medizinische Teams und sorgt dafür, dass mangelernährte Kinder wieder zu Kräften gebracht oder Familien mit sauberem Trinkwasser versorgt werden.