Mit Delfinen schwimmen auf Mauritius- Und was noch schöner ist -


Klar, kurz bevor der Arbeitstag startet noch kurz mit Delfinen zu schwimmen – das hat was. So erging es mir kürzlich auf Mauritius. Mein Tageshighlight aber war etwas anderes.

Als wir am Strand ankommen, wird es gerade hell. Es ist bewölkt, so dass wir nicht den klassisch schönen Sonnenaufgang sehen, der hier auf Mauritius so oft in besonders leuchtenden Farben schillert. Macht nichts, denn das ist nicht der Grund, weshalb wir hier sind.

Beim Kitesurfen haben wir einen lokalen Fischer kennengelernt, der uns an diesem Morgen mit seinem Boot hinaus auf den Indischen Ozean nehmen möchte, damit wir uns einen langersehnten Traum erfüllen können: Wir wollen mit Delfinen schwimmen.

5.30 Uhr. Bart, so heißt der Mann unseres Vertrauens, ist startklar. Dass wir so früh aufbrechen, hat einen guten Grund: Die Delfine sind hier kein Geheimtipp und spätestens ab sieben Uhr tummeln sich die Boote vor der Westküste von Mauritius. Horden von Touristen hüpfen dann ins Wasser und während überall kleine bunte Schnorchelpunkte aus dem Wasser gucken, ziehen die Delfine schnell von dannen. Die sind ja nicht blöde, ne?!

Oben Hektik …

Unser Plan geht auf. Außer unserem sind nur zwei weitere Boote unterwegs. Und dann sehen wir auch schon die kleinen niedlichen Spitzen, die schwarz aus dem Wasser piken und uns zeigen, dass dort hinten gleich eine ganze Gruppe Tümmler unterwegs ist. Bart gibt ein bisschen Gas, um dann plötzlich die Maschine abzudrehen. Er ahnt genau, in welche Richtung die Tiere schwimmen und gibt uns das Kommando, unsere Schwimmbrillen aufzusetzen und uns auf den Bootsrand zu setzen. Hektisch gleitet einer nach dem anderen ins Wasser. Doch – zu spät. Die Delfine haben ihren eigenen Kopf und schwimmen in die entgegengesetzte Richtung. Zu spät. Also wieder zurück ins Boot, es geht weiter. Finnen erspähen, hindüsen, vom Boot hüpfen und hektisch versuchen, in all dem Gewusel aus Körperteilen, Schwimmflossen und Schnorcheln auch noch einen Delfin zu entdecken. Ich merke schnell: Für mich ist das nichts. „Go, go, go“, höre ich Bart vom Boot brüllen und mit seiner Hand deutet er in Richtung Meer. Aber die Delfine hole ich nicht ein und möchte das auch gar nicht.

Delfine seien sehr neugierige und verspielte Tiere, sagt man, und wenn sie derart flüchten, dann scheint ihnen die Sache hier gar nicht zu gefallen. Mir tun sie leid.

Als wir die nächste Schule erreichen, lasse ich die anderen zuerst aus dem Boot hüpfen und erst als sie rufen und winken, springe ich auch. Weit unter mir sehe ich eine ganze Gruppe wunderschöner Delfine durchziehen und freue mich, dass sie so weit entfernt doch ganz entspannt dahin gleiten.

… unten Ruhe

Als wir wieder auftauchen, sehen wir, dass inzwischen rund 20 Boote in dem sehr kleinen Gebiet unterwegs sind. Wir beschließen deshalb, den anderen das Feld zu überlassen und stattdessen noch eine Weile am Riff zu schnorcheln. Und dann kann ich sie endlich genießen: Die Natur und ihre Ruhe, die sie ausstrahlt. Dank meines dicken Neoprenanzuges, der weniger der Wasser- als der Lufttemperatur zu dieser frühen Stunde geschuldet ist, kann ich mich einfach auf der Wasseroberfläche treiben lassen. Oben lugt nun endlich die Sonne durch die Wolken, während unter mir ein Schwarm weiß-schwarz gestreifter Fische durchzieht. Die Welt, die ich dort unten entdecke, ist wahnsinnig schön und friedvoll. Und so bunt! An einem kleinen Felsen bleibe ich hängen und beobachte, wie Fische kommen und in den kleinen Löchern des Riffs wieder verschwinden. Doch was ist das? Unter mir entdecke ich doch tatsächlich eine Seeschlange!

Ich finde: Die Delfine können nichts dafür, dass sie für mich nicht mein Tageshighlight waren. Sie tun mir einfach nur ein bisschen leid. Aber die Unterwasserwelt war toll und die möchte ich noch einmal erleben – dann aber ohne ihre Bewohner zu stören. Und weil ich nach diesem Morgen einen Punkt auf meiner Bucket-Liste streichen kann, ersetze ich ihn sogleich durch einen neuen: Ich möchte jetzt unbedingt tauchen lernen.

Und schon pfeift Bart und wir entern das Boot. Am Horizont sieht der Himmel verdächtig dunkel aus – es wird nicht mehr lange dauern, bis sich ein Schauer über die Insel ergießt. Vorbei an der Küste, ihren grünen Palmen, die sich sanft im Wind wiegen, und dem langen Sandstrand fahren wir zurück nach Tamarin.

8.30 Uhr. In Deutschland stehen sie nun bald auf und auch wir machen uns langsam auf den Weg ins Büro. Beziehungsweise an den Ort, den wir momentan zu diesem erklärt haben. Nicht aber, ohne vorher im Wapalapam noch ausgiebig gefrühstückt zu haben. Was für ein aufregender Start in den Tag!